Kapellengebäude


Das Kapellengebäude wurde um 1330 gebaut und war ein Teil der ehemaligen Wasserburg, die um 1840 durch Feuer zerstört wurde. Die Fenster an der Westseite wurden im 18. Jahrhundert eingebrochen, die Wand war eine Wehrwand mit Schießscharten, was man heute noch erkennen kann.

An der Südseite (s. Bild oben) sind noch die Ansätze eines Tonnengewölbes zu erkennen und Treppenstufen vom Wehrgang sowie ein Lagerstein der ehemaligen Zugbrücke. Die Treppe an der Nordseite ist im 19. Jahrhundert erstellt worden.

Die Ostseite, früher eine Innenwand, zeigt viele Bau-Narben und eine Kartusche über dem Eingang zur Kapelle mit einer lateinischen Inschrift „Dominus custodiat introitum tuum et exitum tuum, ex hoc nunc et usque in sæculum“: – Der Herr behüte deinen Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit! 

Es handelt sich dabei um den 121. Psalm des Alten Testaments, Vers 8. Allerdings steht in der Inschrift „Ps. 120“. Möglicherweise wird der Psalm hier nach der alten Reihenfolge in der Septuaginta und der Vulgata gezählt. Außerdem lautet der wirkliche Vers 8: Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang …“, sodass hier der Text vertauscht ist. Darunter findet sich die Jahreszahl 1707, was auf das Jahr der Fertigstellung bzw. das Jahr der Nutzung als sakraler Raum hinweist.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Kapelle mit einem Kreuzbandgewölbe, das zwischen 1704 und 1707 gebaut wurde. Man geht davon aus, dass die Kapelle seit 1707 sakral genutzt wurde (s.o.). Sie wird heute für unterschiedliche Veranstaltungen, standesamtliche Hochzeiten, Lesungen und Musikabende genutzt. Da die Baugeschichte weder erforscht noch durch Grabungen belegt wurde, führte Dr. Udo Reckers vom Westf. Museum für Archäologie Münster, Fachreferent Mittelalter, Grabungen im und am Fundament des Kapellengebäudes durch. Hierbei stieß man auf verschiedene Bauphasen. Diese belegten, dass die Räumlichkeiten sich in den Jahrhunderten stark verändert haben.


Der Raum im Obergeschoss wurde unterschiedlich genutzt: Wohnung für Bedienstete, Kapläne und von 1939 bis 1954 als erster Kindergarten des Dorfes Sythen. Heute finden kleine Veranstaltungen darin statt.

Bei den Restaurierungsarbeiten der Südwand im Jahr 1999 kam es zu einer großen Überraschung: Wir fanden ein unter Lehmputz verborgenes Sandsteinfenster. Das Fenster, so Dr. Reinke vom Denkmalsamt Münster, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Ein solches Fenster ist in der gesamten Region hier nicht mehr zu finden.

 

 

 

Geschichtliche Zusammenfassung

  • 1330: Bau des Kapellengebäudes
  • 1628: Hermann von Ketteler verfügt, eine Vikarie einzurichten. Geistlicher bis 1705 war Vikarius Artmann.
  • 1704 bis 1707: Einbau der heutigen Kapelle, wird als Sakral genutzt.
  • 1705: Die Jesuiten des Annaberges übernehmen den kirchlichen Dienst.
  • 18. Jahrhundert: An der Westseite werden die Fenster eingbrochen.
  • 19. Jahrhundert: Anbau der Außentreppe.
  • 31. Juni 1934: Bischof Clemens August Graf von Galen, der spätere Kardinal von Münster, vollzieht die Trauung der Komtesse Sidonia Gräfin von Westerholt-Gysenberg mit Wilderich Freier von Gaio-Schweppenberg.
  • 1939 bis 1954: Erster Kindergarten des Dorfes Sythen. Betreuung bis 1954 durch die Arbeits-maiden, „Mutterhilfe auf dem Lande“ Lager 2/90 Sythen, danach Frl. Klärchen David aus Sythen.
  • 1948: Renovierung der Kapelle nach dem Kriege. Einbau einer Heizung, Anfertigung des Bildes „Maria Verkündigung“, danach neue Bänke
  • 29. Mai 1949: Einweihung und erster Gottesdienst nach dem Krieg um 9 Uhr
  • 1965: Ende der sakralen Nutzung. Geistliche waren: Rektor Schanz, Kaplan Beyer und Pater Deppenkämper.
  • 1998 bis 2001: Aufwändige Restaurierung.
  • 30. September 2001: Einweihung des Gebäudes